Zwischen Freikörperkultur und Körperkontrolle

Ein Vortrag von Christian-Matthias Waldmann

„Habt Mitleid! Zeigt Erbarmen! Schont die Augen der Nation!“. So wetterte einst der erste Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, gegen die nach 1945 wieder auflebende Frei-körperkulturbewegung (FKK). Dient solcher Naturismus dem Aufbau des Sozialismus? Ent-spricht er der Moral des proklamierten neuen Menschentyps: der sozialistischen Persönlich-keit?
Ist die Gewährung des öffentlichen Nacktbadens vielleicht sogar ein objektiv gesellschaftli-ches Erfordernis, da der Sozialismus ja das Wohl des Menschen im Blick hat?
Nach herrschender Lehrmeinung in der DDR ist die Arbeiterklasse Träger der sozialistischen Lebensweise und Moral. Und „da die Arbeiterklasse zugleich die Interessen aller anderen Klassen und Schichten der sozialistischen Gesellschaft zum Ausdruck bringt, stellt die von ihr hervorgebrachte sozialistische Moral eine entscheidende Triebkraft des gesellschaftlichen Handelns aller Werktätigen dar.“ (Jugendlexikon Philosophie, Leipzig 1981)
Das vorliegende Thema „Zwischen Freikörperkultur und Körperkontrolle“ stellt die Aufgabe, mit Hilfe von Alltagsgeschichten aus der DDR diese Doktrin darzustellen, dabei die Spannung zwischen staatlichem Anspruch und individuellen Lebenswünschen kenntlich zu machen und die Folgen zu diskutieren.

Zur Person:

Geboren am 10.Dezember 1944 in Gera. Vater Pfarrer, Mutter Hausfrau. Eine schwerstbehinderte Schwester. Kindheit und Jugend in Naumburg/Saale. Dort 1966 Abschluss der 10. Klasse. Besuch der Erweiterten Oberschule (EOS) wurde abgelehnt. 1966 (staatlich nicht anerkanntes) Abitur am Kirchlichen Proseminar in Naumburg. 1966 bis 1973 Studium der Theologie und Pädagogik an kirchlichen Hochschulen in Naumburg und Berlin. 1973 und 1975 Abschluss mit erstem und zweitem Examen (Pfarrer im katechetischen Dienst). De-zember 1975 Ordination zum Pfarrer . 1975 bis 1981 Pfarrstelle für Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Eilenburg-Delitzsch. 1981 bis 1985 Dorfpfarrer. 1982 bis 1988 Mitglied in der Leitung der Aktion Sühnezeichen. 1985 bis 1995 Jugendpfarrer im Kreis Potsdam und Gemeindepfarrer am Stern. 1990 Leiter des Runden Tisches für die Jugend in Potsdam, ab 1991 Überführung in den Stadtjugendring Potsdam e.V., dort bis 1995 im Vorstand. 1991/92 Mitarbeit in der Konzeptionsgruppe für LER des Bildungsministeriums in Potsdam. 1995 bis 1999 Leiter der Arbeitsstelle für Konfirmandenunterricht der Ev. Kirche in Berlin Brandenburg. 1998/99 Lehr- beauftragter an der Ev. Fachhochschule Berlin-Zehlendorf, Studiengang Ev. Religions-pädagogik. 1999 bis 2009 beauftragt mit der Wahrnehmung einer Schulpfarrstelle in Berlin/Zehlendorf-Steglitz. Seit 2010 im Ruhestand. Verheiratet, 3 Kinder.

12. Januar 2012 um 18:11 Uhr
LD
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