Menschen, Migrationen, Memorien
Ziel dieses zweisemestrigen Seminars ist die Erforschung migrationshistorischer Zusammenhänge anhand familiengeschichtlicher und biographischer Hintergründe der Teilnehmenden. Beispiele könnten sein: protestantische Glaubensflüchtlinge, Auswanderung nach Amerika, Zuwanderung Polnisch sprachiger Industriearbeiter, Zwangsumsiedlung, Deportation, Flucht und Vertreibung im Kontext des Zweiten Weltkriegs, Arbeitsmigration von Gastarbeitern in die BRD und Vertragsarbeitnehmern in die DDR sowie Kontingentflüchtlinge, Asylsuchende und Aussiedler.
Wissenschaftliches Handwerkszeug wie die quellenkritische Interpretation von Archivalien, die Auswertung persönlicher Dokumenten, Literatur und digitaler Medien, Interviews mit Zeitzeug(inn)en wird zum Einsatz kommen, um die Verwobenheit von Lebensgeschichten und historischen Ereignissen interdisziplinär zu erarbeiten und darzustellen.
Ziel einer solchen Kombination sozialwissenschaftlicher und archivwissenschaftlicher Methoden ist die besondere Förderung individuellen, interessegeleiteten, forschenden Lernens.
Vergessen und Erinnern
In unserer beschleunigten Gesellschaft wird das Vergessen bisweilen zu einer Überlebensstrategie – wir wählen aus, was wir wissen und erleben wollen, was uns bedeutsam ist und was nicht – auf der institutionellen, gesellschaftlichen wie auch persönlichen Ebene. Am Beispiel der Alltagskultur der DDR soll erforscht werden, wie und wo Erinnerung gelöscht und verwischt wurde oder was davon noch lebendig ist – am Beispiel der Musikszene, Wohn- und Nischenkultur, Körperkultur, Rolle der Frau, Umgang mit Behinderten, Jugendkultur, Ausbruch/Flucht etc. wir wollen Expert/innen befragen, eigene Recherchen unternehmen und die Ergebnisse im SoSe 2012 u. a. mit filmischen und theatralen Mitteln, mit szenischen Lesungen präsentieren und ausstellen.
Menschen, Migrationen, Memorien
Im Kommentar für das Vorlesungsverzeichnis des Wintersemesters 2010/11 stand folgendes:
"Die zweisemestrige, interdisziplinäre Veranstaltung [Migrationsbewegungen in der Biographieforschung] richtet sich in erster Linie an Studierende der Studiengänge in den Fachbereichen Soziale Arbeit und Informationswissenschaften, jedoch auch an alle anderen Interessierten. Ziel ist die Erschließung migrationshistorischer Zusammenhänge mittels Literaturrecherche und Archivnutzung. Die Veranstaltung hat Projektcharakter und ist im Sinne forschenden Lernens angelegt: die Teilnehmenden erarbeiten Fragestellungen zu erschiedenen Migrationsbewegungen vor dem Hintergrund eigener familienhistorischer oder biografischer Bezüge und nutzen dann unterschiedliche Instrumente des Forschungshandwerkes zum Wissenserwerb und zur wissenschaftlichen Reflektion."