Vergessen und Erinnern

Vergessen und Erinnern

Kulturarbeit
Informationswissenschaften
Sozialwesen
2011/10 - 2012/07

In unserer beschleunigten Gesellschaft wird das Vergessen bisweilen zu einer Überlebensstrategie – wir wählen aus, was wir wissen und erleben

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Das Stadtbild der DDR / Stadtkultur - "Sozialistischer Städtebau in Potsdam – Erfahrenes Erkanntes Erlebtes vermitteln"

Ein Vortrag von Dipl.-Ing. Bernhard Wendel

Die Wiederherstellung des zerstörten Stadtbildes in der Tradition des historischen Ortes prägte die erste Phase der städtebaulichen Entwicklung in der Nachkriegszeit. Die Wohnungsnot und der politischer Bedeutungswandel der Architektur verlangten jedoch auch in Potsdam danach, das Leitbild einer sozialistischen Stadt entsprechend den raumgreifenden städtebaulichen Idealen der Moderne des 20. Jahrhunderts auszurichten. Abstandsflächen für mehr Licht, Luft, Sonne und Grün – statt Baufluchten und -höhen historisch gewachsener Platz- und Straßenräume – bestimmten neben dem Kranspiel zunehmend industrieller Bauweisen die städtebauliche Gestaltung. Verbesserte Funktionalität auf der einen und die Zerstörung der ursprünglichen Stadtgestalt auf der anderen Seite, waren Konsequenzen dieser Entwicklung. Außer dem politischen Einfluss der herrschenden Ideologie gab es hierbei
kaum einen Unterschied zwischen Ost und West in dieser Frage der Nachkriegsentwicklung. Was es schließlich doch an Unterschieden gab und letztlich auch in erheblichem Maße zum Scheitern und Sturz des Gesellschaftssystems beitrug, soll versucht werden, an einigen Potsdamer Beispielen aufzuzeigen und Anregung für eigene Untersuchungen sein.

Zur Person:

  • 1949 geboren in Dessau
  • 1968 Abitur
  • 1968/72 Studium an der TU Dresden, Sektion Architektur
  • 1972 Exmatrikulation nach den Hauptprüfungen als Hochschulingenieur
  • 1972 Ing. für Architektur und Entwurf im VEB Montage-/Spezialhochbau Berlin
  • 1975 Diplom an der TU Dresden, Sektion Architektur
  • 1975/83 Kreisarchitekt des Landkreises Potsdam
  • 1979 rer.pol. an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR (ASR) in Potsdam-Babelsberg
  • 1983/86 Leitender Mitarbeiter Komplexer Wohnungsbau im Bezirksbauamt Potsdam
  • 1986/89 außerplanmäßige Aspirantur an der ASR
  • 1986 Stellvertretender Stadtarchitekt beim Stadtbauamt Potsdam
  • 1987/90 Stadtarchitekt u. Leiter des Büros beim Stadtarchitekten der Stadt Potsdam
  • 1990 Zulassung als Privater Architekt und Ingenieur Gründung der Planungsgruppe Potsdam / Büro Wendel + Partner
  • 1991 Eintragung bei der Brandenburgischen Architektenkammer
  • ab 1998 Büro Dipl.-Ing. Bernhard Wendel • Freier Architekt + Stadtplaner
12. Januar 2012 um 18:16 Uhr
LD

Nischenkultur - Privatheit und privates Leben in der DDR

Ein Vortrag von Dr. Günter Kracht

Gab es in einer Gesellschaft mit einer kontrollierten Öffentlichkeit Formen von Privatheit? Konnte es in einer Gesellschaft, in der anscheinend eine alles mitlesende und mithörende Staatssicherheit das individuelle Leben überwachte, privates Leben eben jener Menschen geben? Der Vortrag formuliert auf verschiedenen Ebenen eine bejahende Argumentation: Ja, es existierten in der DDR verschiedene kulturelle Formen von Privatheit, in denen Menschen individuelle, persönliche Gestaltungsmöglichkeiten in Differenz zum ‚gesellschaftlichen Leben’ sahen. Es existierten Räume, in denen Menschen für sich sein konnten, unüberwacht, unausgespäht, in denen sie ihren eigenen Lebensvorstellungen nachzugehen versuchten. Der Vortrag zeigt, unter Einbeziehung eigener Erfahrungen, Facetten dieser Privatheit auf, erinnert an Spuren des privaten Lebens, die nicht von den Zwängen einer zwanghaften ‚Kollektivierung’ geprägt sind.[...]

12. Januar 2012 um 18:15 Uhr
LD

"Frauen in der DDR"

Ein Vortrag von Frau Prof. Dr. Herta Kuhrig

Waren die Frauen in der DDR gleichberechtigt (mit den Männern)? Auf der Suche nach Fakten, die es ermöglichen, diese Frage begründet zu beantworten, sieht man sich mit einer Fülle von Materialien konfrontiert, mit Meinungen, Urteilen, auch Vorurteilen, statistischen Daten, Gesetzestexten, Erlebnisberichten u.v.a., die durchaus nicht übereinstimmen, sich oft sogar eher ausschließlich, die ein widersprüchliches Bild vermitteln. "Das Wunder drüben sind die Frauen" hatten schon 1965 die Autoren Werner Commandeur und Alfred Sterzel ihren Bericht über ihre Beobachtungen des DDR-Frauenalltags getitelt. Auf scharfe Kritik stießen die DDR-Frauenpolitik und ihre Auswirkungen auf die materielllen und geistigen Lebensbedingungen der Frauen in der Zeit der Wende 1989 bei der Gründung des UFV (Unabgängiger Frauenverband), angeprangert wurde die "Muttipolitik". In den ersten Jahren nach der Wende war von einem "Gleichstellungsvorsprung" der Ostfrauen die Rede, dann wurde die "überzogene Erwerbsneigung der Ostfrauen" als eine Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit im Osten "erkannt".
Wie erlebten "die Frauen" selbst ihren Alltag? - wie die verschiedenen Frauengenerationen mit ihren sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen und ihren sehr verschiedenen Ansprüche und Erwartungen an das Leben?

Zur Person:

  • Geb. 1930 im Sudetenland/CSR
  • Abitur 1949 in Schwerin
  • Studium der Gesellschaftswissenschaften in Leipzig
  • 1952 bi 1957 wissenschaftliche Assistentin an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften
  • 1964 Promotion "Zur Entwicklung sozialistischer Familienbeziehungen in der DDR"
  • Von 1964 - 1990 an der Akademie der Wissenschaft der DDR, Mitarbeiterin/Leiterin der Forschungsgruppe "Die Frau in der sozialistischen Gesellschaft"
  • Seit 1981 Vorsitzende des wissenschaftlichen Rates "Die Frau in der sozialistischen Gesellschaft",
  • 1990 Emertitierung
  • Ehrenamtlich tätig, vorwiegend in der Seniorenarbeit
  • bis November 2011 Vorsitzende der Seniorenvertretung Treptow-Köpenick, der Landesseniorenvertretung des Landesseniorenbeirats Berlin.
12. Januar 2012 um 18:13 Uhr
LD

Zwischen Freikörperkultur und Körperkontrolle

Ein Vortrag von Christian-Matthias Waldmann

„Habt Mitleid! Zeigt Erbarmen! Schont die Augen der Nation!“. So wetterte einst der erste Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, gegen die nach 1945 wieder auflebende Frei-körperkulturbewegung (FKK). Dient solcher Naturismus dem Aufbau des Sozialismus? Ent-spricht er der Moral des proklamierten neuen Menschentyps: der sozialistischen Persönlich-keit?
Ist die Gewährung des öffentlichen Nacktbadens vielleicht sogar ein objektiv gesellschaftli-ches Erfordernis, da der Sozialismus ja das Wohl des Menschen im Blick hat?
Nach herrschender Lehrmeinung in der DDR ist die Arbeiterklasse Träger der sozialistischen Lebensweise und Moral. Und „da die Arbeiterklasse zugleich die Interessen aller anderen Klassen und Schichten der sozialistischen Gesellschaft zum Ausdruck bringt, stellt die von ihr hervorgebrachte sozialistische Moral eine entscheidende Triebkraft des gesellschaftlichen Handelns aller Werktätigen dar.“ (Jugendlexikon Philosophie, Leipzig 1981)
Das vorliegende Thema „Zwischen Freikörperkultur und Körperkontrolle“ stellt die Aufgabe, mit Hilfe von Alltagsgeschichten aus der DDR diese Doktrin darzustellen, dabei die Spannung zwischen staatlichem Anspruch und individuellen Lebenswünschen kenntlich zu machen und die Folgen zu diskutieren.

Zur Person:

Geboren am 10.Dezember 1944 in Gera. Vater Pfarrer, Mutter Hausfrau. Eine schwerstbehinderte Schwester. Kindheit und Jugend in Naumburg/Saale. Dort 1966 Abschluss der 10. Klasse. Besuch der Erweiterten Oberschule (EOS) wurde abgelehnt. 1966 (staatlich nicht anerkanntes) Abitur am Kirchlichen Proseminar in Naumburg. 1966 bis 1973 Studium der Theologie und Pädagogik an kirchlichen Hochschulen in Naumburg und Berlin. 1973 und 1975 Abschluss mit erstem und zweitem Examen (Pfarrer im katechetischen Dienst). De-zember 1975 Ordination zum Pfarrer . 1975 bis 1981 Pfarrstelle für Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Eilenburg-Delitzsch. 1981 bis 1985 Dorfpfarrer. 1982 bis 1988 Mitglied in der Leitung der Aktion Sühnezeichen. 1985 bis 1995 Jugendpfarrer im Kreis Potsdam und Gemeindepfarrer am Stern. 1990 Leiter des Runden Tisches für die Jugend in Potsdam, ab 1991 Überführung in den Stadtjugendring Potsdam e.V., dort bis 1995 im Vorstand. 1991/92 Mitarbeit in der Konzeptionsgruppe für LER des Bildungsministeriums in Potsdam. 1995 bis 1999 Leiter der Arbeitsstelle für Konfirmandenunterricht der Ev. Kirche in Berlin Brandenburg. 1998/99 Lehr- beauftragter an der Ev. Fachhochschule Berlin-Zehlendorf, Studiengang Ev. Religions-pädagogik. 1999 bis 2009 beauftragt mit der Wahrnehmung einer Schulpfarrstelle in Berlin/Zehlendorf-Steglitz. Seit 2010 im Ruhestand. Verheiratet, 3 Kinder.

12. Januar 2012 um 18:11 Uhr
LD

Biographie und Film - Die Kinder von Golzow

Ein Vortrag von Barbara und Winfried Junge

"...Alltag fehlt in der Regel das Auffällige, Besondere, Bedeutungsvolle, aber er ist nun einmal das Wesentliche im Leben eines Menschen
und für unsere Begriffe darum auch das Mitteilenswerteste.
Er bekommt mit wachsendem historischen Abstand
sogar etwas Spektakuläres.
Und vor allem:
Er geht den anderen, uns alle, etwas an.
Wie sollte sich sonst auch das zunehmende Interesse
an den Lebenswegen der „Kinder von Golzow“ erklären?
Aus dem Schulalltag
der kurz nach dem Bau der Berliner Mauer Eingeschulten
wurde über die Jahrzehnte Lebensalltag.
Film bewahrt ihn uns für alle Zeiten wie in Bernstein..."

Biographien und weitere Hinweise

12. Januar 2012 um 17:01 Uhr
LD